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Für die Zukunft getrimmt

RWE macht Block K für veränderten Markt flexibler und wirtschaftlicher Umbau für Importkohle kostet 19 Millionen Euro – Anlieferung nur per Schiff

In den Flutern des Dampfkondensators werden 40 000 Messingrohre von 140 Kilometern Gesamtlänge von Hand eingezogen.

STOCKUM - Denn mit dem Preis sinktauch der Heizwert. „Um 30 Prozent wird sich unser Mengendurchsatz von 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr dadurch erhöhen“, berichtet Kraftwerksleiter Dr. Ralf Heitmüller.

Und mehr solcher Kohle heißt mehr Asche, mehr Rauchgas, mehr Reinigungskapazität für die Abwässer der Entschwefelungsanlage. Schon die Logistik ließ Heitmüller mit dem Projektstart Große Revision am Kohleblock, seit dem 12. Mai ist in Stockum buchstäblich der Ofen aus. Wenn die 32 Brenner nach 64 Tagen Instandsetzung am 15. Juli planmäßig wieder angezündet werden, damit die 770 Megawatt elektrische Leistung am 19. Juli punkt Mitternacht am Strommarkt wieder zu Verfügung stehen, wird nur noch ausländische Kohle in den riesigen Mahlwerken zermalmt und ins Kesselfeuer geblasen. Billiger als deutsche Kohle von der Zeche nebenan ist der Brennstoff aus Kolumbien, USA und Russland, aber er kostet den RWE-Konzern erst einmal: 19 Millionen Euro und einen beträchtlichen Teil der aktuellen Arbeiten macht es aus, dass die Anlagen am Gersteinwerk auf den Einsatz der Importkohle umgestellt werden müssen.

Denn mit dem Preis sinkt auch der Heizwert. „Um 30 Prozent wird sich unser Mengendurchsatz von 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr dadurch erhöhen“, berichtet Kraftwerksleiter Dr. Ralf Heitmüller. Und mehr solcher Kohle heißt mehr Asche, mehr Rauchgas, mehr Reinigungskapazität für die Abwässer der Entschwefelungsanlage. Schon die Logistik ließ Heitmüller mit dem Projektstart RWE macht Block K für veränderten Markt flexibler und wirtschaftlicher Umbau für Importkohle kostet 19 Millionen Euro – Anlieferung nur per Schiffim November 2009 in einer Studie prüfen.

Denn mit der Umstellung rollt kein Kohlenzug via Hamm mehr an, der gesamte Kohleumschlag erfolgt per Schiff im Kraftwerkshafen. Weil zum Schutz der (Herringer) Nachbarn für den Entlader begrenzte Betriebszeiten gelten, war zu prüfen, ob die Kapazitäten künftig reichen. 40 Prozent der Kohle, so Heitmüller, kamen bisher per Bahn ins Werk. Damit auch gleichbleibend brennt, was der Konzert aus den weltweiten Kohleströmen kauft, muss das „schwarzeGold“ auf der Halde erst einmal gemischt werden. Rentabler wird die Feuerung außerdem mit dem erhöhten Einsatz der Ersatzbrennstoffe (EBS). Zehn Prozent der Wärmeleistung darf aus aufbereiteten Abfällen gewonnen werden. Die Kapazitäten der Stockumer EBS-Anlagen sind auch nach einigen Jahren noch nicht ausgeschöpft. Jetzt werden weitere Brenner dafür umgerüstet. Weil diese Stoffe aber mehr Schlacken hinterlassen, wird der Kessel für die Reinigung der Heizflächen nun mit Wasserkanonen ausgestattet. Die Hochdruckturbine ist zerlegt, damit Siemens ein überarbeitetes Innenteil einbauen kann.

Diese Retrofit- Maßnahme beschert 7,5 Megawatt mehr, was in etwa die Leistung von fünf Windrädern entspräche, so RWE. Als der damals größte Kohleblock vor 27 Jahren ans Netz ging, war er für den stetigen Betrieb in der Grundversorgung konzipiert. Aber die Anforderungen auf dem Markt haben sich mit dem Auf und Ab durch die wetterabhängige Sonnen- und Windenergie verändert. Flexibilität ist verlangt. Das hat den zwischenzeitlich abgeschriebenen Gasblöcken eine Wiedergeburt als ertüchtigteProduktionseinheit für Bedarfsspitzen beschert. Und nun wird auch der Block K getrimmt, um flexibler zu sein. Es gibt eine neue Leittechnik für fünf Millionen Euro. Um in Schwachlastphasen nicht abschalten zu müssen, wird die Leistungsgrenze auf170 MW gedrosselt. Denn für Dr. Heitmüller ist vor allen eines wichtig: Hauptsache, der Ofen bleibt an.
Quelle: Westfälischer Anzeiger Werne